Borreliose: Wenn die Zecken beißen

Langsam legt sich der Winter und die Temperaturen klettern wieder das Thermostat hinauf. Mit den ersten Sonnenstrahlen geht’s dann am Wochenende wieder hinaus in die Natur, den Wald und auf Wiesen. Doch die Freude über Frühling und Sommer wird nur all zu leicht getrübt durch fiese kleine Vampire in hohen Gräsern lauern: die Zecken. Ein Zeckenbiss ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch gefährlich für die Gesundheit sein. Besonders Kinder reagieren auf die bekannten Borreliose-Erreger empfindlich. Doch was ist eigentlich Borreliose? Und wie verhindert man eine Übertragung durch einen Zeckenbiss? Wir von der Linden-Apotheke klären Sie auf.

Borreliose – Definition, Symptome, Risikofaktoren

Wenn man in Europa von Borreliose spricht, meint man in der Regel die sogenannte „Lyme-Borreliose“. Sie ist die einzige Form der Borreliose, die in den europäischen Breitengraden verbreitet ist. Daher werden die Begriffe synonym verwendet.

Etwa ein bis sechs Prozent der Zeckenbisse übertragen sogenannte Bakterien der Gruppe „Borrelien“ und infizieren damit den Menschen. Eine Infektion führt jedoch nicht zwangsläufig zu einer Borreliose-Erkrankung. Oft wehrt das körpereigene Immunsystem die Erreger ab, ohne dass es zu einem Ausbruch kommt oder der Infizierte etwas merken würde.

Übertragungswege von Borreliose

Zeckenbisse sind die nahezu einzige Möglichkeit, sich in Deutschland mit Borreliose zu infizieren. Eine Infektion von Mensch zu Mensch ist praktisch unmöglich, da die Bakterien nur über das Blut übertragen werden. Eine Infektion über andere blutsaugende Insekten wie z. B. Mücken, Blutegel oder Pferdebremsen ist ebenfalls extrem selten. Das Bakterium befindet sich im Bauch der Zecke und schadet dieser nicht. Schätzungsweise sind etwa ein Drittel aller Zecken mit Borrelien infiziert. Um den Erreger zu übertragen, müssen sich die Zecken ebenfalls zuvor infizieren, z.B. beim Blutsaugen an einem infizierten Kaninchen oder einem anderen Säugetier.

Das Tückische an der Borreliose ist jedoch, dass die Bakterien eine relativ lange Inkubationszeit haben. Die Erkrankung bricht häufig erst Tage, Wochen oder sogar Monate nach der Infektion aus. Viele Patienten erinnern sich dann häufig gar nicht mehr an den entsprechenden Zeckenbiss, sofern sie ihn überhaupt wahrgenommen haben. Dieser ist jedoch wichtig für die ärztliche Diagnose und ein deutliches Indiz für Borreliose.

Symptome der Lyme-Borreliose

Die Borreliose-Symptome unterscheiden sich abhängig vom Krankheitsstadium stark. Ausgehend vom Eintrittspunkt der Infektion (dem Zeckenbiss) verbreiten sich die Erreger über den Blutkreislauf im ganzen Körper und können so die unterschiedlichsten Organe betreffen. Bei Kindern und älteren Menschen treten die Symptome üblicherweise früher und stärker auf.

Typischerweise löst in den meisten Fällen die Borreliose eine sogenannte Wanderröte aus. Ausgehend von der Position des Zeckenbisses breitet sich kreisförmig eine Hautrötung (Erythema migrans) aus. Mit dem Verlauf der Krankheit lässt die Rötung in der Mitte nach, sodass sie eine ringförmige Kontur bekommt. Manche Menschen entwickeln zusätzlich auch auf anderen Hautstellen Rötungen. Begleitend können grippeähnliche Symptome auftreten, wie z. B. Fieber, Gelenkschmerzen oder auch Symptome, die im Zusammenhang mit dem zentralen Nervensystem stehen. Folgende vielfältigen Symptome können, teilweise in Schüben, bei einer Lyme-Borreliose-Erkrankung auftreten:


  • Hautrötungen und Entzündungen
  • Fieber
  • Gefühl der Schwäche, Müdigkeit, Antriebslosigkeit
  • Geschwollene Lymphknoten
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Geschwollene Gelenke
  • Muskel- oder Herzschmerzen
  • Lähmungen, z. B. im Gesicht
  • Taubheit
  • Reizbarkeit, plötzliche Stimmungsschwankungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Veränderung der Psyche


Wie man bemerkt, gelten diese Symptome auch für eine Vielzahl anderer Krankheiten. Das Auftreten einer oder mehrerer dieser Merkmale stellt daher noch lange keine sichere Diagnose dar. Einzig die für Borreliose typische Wanderröte kommt bei fast allen Erkrankten vor. Bei Verdacht auf Borreliose sollte unbedingt sofort ein Arzt konsultiert werden, da eine unbehandelte Borreliose anhaltende Schäden an den Organen und Nervenbahnen bis hin zum Gehirn nehmen kann.

Diagnose der Borreliose

Neben der Feststellung der Symptome und der Klärung, ob ein Zeckenbiss vorlag, verlässt sich ein Arzt bei der Diagnose von Borreliose auf die Blutuntersuchung und/oder nimmt eine Untersuchung des Hirnwassers vor (Liquor-Analyse). Für Letzteres ist ein kleiner Einstich in den Rückenmarkskanal (Lumbalpunktion) notwendig. Die Blutuntersuchung gilt als nicht sehr zuverlässig, da sich die geprüften Antikörper auch aufgrund einer früheren unbemerkten Infektion im Körper befinden können (falschpositives Ergebnis). Ebenso ist der Erreger im frühen Stadium einer Infektion ebenfalls nicht immer nachweisbar (falschnegatives Testergebnis). Deuten trotz negativer Blutergebnisse alle Symptome auf Lyme-Borreliose hin, kann ein Arzt auch unabhängig davon eine Therapie beginnen.

Therapie der Borreliose

Da es sich bei Borrelien um Bakterien handelt, ist eine Therapie mit einem Antibiotikum das beste Mittel. Eingesetzt werden unter anderem Doxycyclin, Amoxicillin oder Cefuroxim. Auch nach einer mehrjährigen Erkrankung ist eine Therapie oft noch möglich. Jedoch gilt wie bei allen Krankheiten: Je früher die Diagnose gestellt und die Behandlung begonnen wird, desto höher liegen die Erfolgschancen. Bleibt die Krankheit lange Zeit unentdeckt, können Hirnhautentzündungen, chronische Gelenkentzündungen und andere Organschäden auftreten, die bleibende Schäden zur Folge haben können bzw. separat therapiert werden müssen.

Gibt es Möglichkeiten, Borreliose vorzubeugen?

Zeckenbisse sind die Hauptquelle für Infektionen mit Borrelien-Bakterien. Leider gibt es bisher auch keine Impfung gegen Borreliose. Daher ist die sinnvollste Vorbeugung von Borreliose eine Vermeidung von Zeckenbissen. Folgende Tipps können wir Ihnen dazu geben:


  • Vermeiden Sie in den Sommermonaten hohe Gräser und Büsche
  • Tragen sie helle Kleidung, um Zecken schneller zu entdecken
  • Suchen Sie nach einem Tag in der Natur Ihren Körper auf Zecken ab
  • Insektensprays und –salben können die Tierchen fernhalten
  • Achten Sie auf Zecken bei Hund und Katze, diese können auch auf den Menschen übergehen


Wenn Sie doch einmal einen Zeckenbiss abbekommen: Keine Panik! Die Gefahr mit Borreliose infiziert zu werden ist mit nur ein bis sechs Prozent pro Zeckenbiss sehr gering. Und auch nur ein kleiner Teil der Infektionen führt tatsächlich zum Ausbruch der Krankheit. Entfernen Sie Zecken nur mit einer Pinzette oder einer Zeckenzange. Setzen Sie das Gerät direkt an der Haut an, drücken Sie nicht zu fest zu und ziehen Sie die Zecken gerade heraus, ohne zu drehen. Prüfen Sie anschließend, ob nicht versehentlich der Kopf stecken geblieben ist.


Weiterführende Informationen:

https://www.borreliose-bund.de/
https://www.apotheken-umschau.de/Borreliose
https://www.onmeda.de/erste_hilfe/zeckenbiss.html